
Normalerweise mach ich das ja nicht mit dem Zitieren aus Blogs, aber Thomas Knüwer von Indiskretion Ehrensache sprach mir heute so richtig aus der Seele:
Es ist ein Zeichen der Zeit, dass langfristiges und vernetztes Denken an Bedeutung verliert im Wirtschaftsleben. Maßnahmen, Produkte, Kampagnen müssen funzen - sofort. Und so ist das Denken manches Marketing-Entscheiders inzwischen so vernetzt wie die Kreidelinie, auf der alkoholverdächtige Autofahrer einst der Polizei laufenderweise ihre Nüchternheit demonstrieren mussten, und so langfristorientiert wie die Lebensplanung einer Eintagsfliege.
Der ganze Artikel geht insbesondere auf die Musikindustrie ein, die sich immer noch wundert, warum es keine gute Idee ist, ihre (potentiellen) Kunden wie Verbrecher zu behandeln. Echt lesenswert.
Aber der zitierte Absatz trifft (leider) auch in großen Teilen der übrigen Geschäftswelt zu.
Mitarbeiter die wie ein notwendiges Übel behandelt werden, mit Verträgen die Überstunden als Normalfall abtun und natürlich nicht bezahlen, Reisezeiten (selbstverständlich am Sonntag, damit am Montag wieder gearbeitet werden kann) die nicht mal voll angerechnet werden. Firmen die ihre Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückrufen, obwohl sie das gar nicht dürfen. Firmen die 160% Leistung verlangen, und Mitarbeiter dennoch hochkant rauswerfen, sobald das Einkommen der Führungsetage in Gefahr ist. Manager die Firmen insolvent gehen lassen, sich dann die besten Teile günstig herauspicken, um eine neue Firma zu gründen, nur um die wieder elegant Pleite gehen zu lassen, nur um die Ausgaben zu minimieren.
Das Kunden und Kundenbindung dann auch nichts mehr Wert ist verwundert nicht. Und dass man jetzt getrost irgendwelchen Müll verkaufen kann, vom vergammelten Fleisch bis hin zum Milliardenteuren nicht-funktionierenden IT-System, und einzelne sich dabei noch eine goldene Nase verdienen, weil sich nicht einmal die Politik traut, denen auf die Finger zu treten, obwohl jedem Bürger in diesem Land nach einem Blick klar ist, das das so nicht sein darf - und stattdessen lieber auf denen rumtrampelt die eh kein Geld und keinen Job mehr haben…
Hach, seufz
Das musste jetzt irgendwie sein.
– Sec
Quailtät ist im Rückmarsch. In den meisten bereichen dominieren einige Monopole. Und wenn man um die nicht herum kommt, dann ist Kundenbindung nicht nötig.
Björn Eichstädt - Storyblogger wrote on Wed, 21 Jun 2006 10:29
Nun, aber: Da haben wir ja schon noch eine gewisse Macht als Verbraucher: Wir müssen deren Produkte nicht kaufen und nicht bei denen Arbeiten....